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Trekking Ecuador Teil 3: Chimborazo
Text und Fotos: Eckart Winkler, Bad Nauheim, http://www.eckart-winkler.de
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Allgemeine und touristische Informationen zu Ecuador

 

Start an der alten Bahnstation Urbina - Durch bäuerliche Gegenden - Quer durch das Abraspungo-Tal zwischen Chimborazo und Carihuairazo - Vikuña-Herden - Carrell-Hütte und Whymper-Hütte - Trekking auf der Whymper-Route

Gesamtdauer: Acht Tage


Sechster Tag: Urbina, Trekking Chimborazo
Urbina
An der alten Bahnstation Urbina geht es los

Um 9 Uhr werden wir im Hotel abgeholt. Wir fahren auf der Panamericana nach Süden, durchqueren Latacunga. Der Ort San Miguel de Salcedo ist berühmt für sein Speiseeis. Zu dieser Tageszeit will allerdings keiner probieren. Ganz in der Nähe liegt der Jambo-See, in den vor Jahren zwei Waggons eines entgleisten Zuges gefallen sind und nie wieder gefunden wurden.

Dann Ambato, eine der größten Städte des Landes. Die Stadt ist sehr häßlich, sie wurde 1949 bei einem Erdbeben völlig zerstört und neu aufgebaut. Wir halten kurz, um einen Park zu besuchen, dessen Hecken alle in Form von Tieren oder Fantasie-Figuren geschnitten sind.

Wir zweigen von der Panamericana ab und erreichen Urbina, den Ausgangspunkt unseres Trekkings am Chimborazo. Urbina ist eine alte Bahnstation, die als Jugendherberge hergerichtet wurde. Innen recht urig, wir machen uns über unsere Lunchpakete her und trinken Bier. Einige Jugendliche sitzen da und spielen Karten.

Gegen 14.30 Uhr laufen wir los. Bei schönem Wetter kann man von hier bereits den Chimborazo sehen. Heute läßt sich nicht einmal ahnen, daß da ein Berg sein könnte. Geschweige denn der höchste des Landes. Zunächst geht es die stillgelegten Gleise entlang. Ab und zu verkehrt wohl noch ein Zug, wir sehen aber keinen.
Indigenas
Sind wir die Exoten oder sie?
Indigenas stellen sich hier gerne zum Foto.


Irgendwie erinnert die ganze Szenerie an einen Wildwest-Film. Der einsame Cowboy hat sein Pferd verloren und läuft nun 200 Meilen entlang der Schienen, bis er zur nächsten Stadt kommt. Nur die Mundharmonika-Musik fehlt.

Wir verlassen die Gleise und laufen durch eine bäuerliche Gegend. Überall kommen uns die Bewohner entgegen, die im Tausch gegen ein paar Fotos Süßigkeiten oder Obst ergattern wollen. Zum Glück haben wir aus den Lunchpaketen der vergangenen Tage genügend Vorrat. Ziemlich schnell geht aber auch der Film zur Neige.

Nun ist es bei uns ja eigentlich gebräuchlich, diese Bewohner mit dem Wort "Indios" zu bezeichnen. Dies ist aber nicht ganz richtig oder vielmehr nicht ganz nett. Sie empfinden "Indios" als Beleidigung, wird doch der Begriff "Indio" in Südamerika mit Eigenschaften wie dumm und ungebildet, arm und schmutzig verbunden. Viel lieber wollen sie "Indigenas" genannt werden. Das heißt "Ureinwohner" und trifft die Realität besser.

Recht sanft geht es bergauf, auf der rechten Seite taucht ab und zu der Carihuairazo auf, der Nachbarberg, immerhin auch 5020 m hoch. Er soll nicht ganz so einfach zu besteigen sein, da werden einige technische Fähigkeiten verlangt. Die beiden Bergen gemeine Endung "razo" kommt aus der hier immer noch weitverbreiteten Quechua-Sprache und bedeutet "schneebedeckt". Ja, das können wir bestätigen!
Zelte
Zeltplatz am Wegesrand


Gegen 17 Uhr erreichen wir den Zeltplatz, auf dem wir übernachten werden. Das ist natürlich kein Zelt- oder Campingplatz, wie wir ihn aus Europa kennen. Nein, ein Plateau neben dem Weg, der genügend Platz für unsere Zelte sowie das Küchenzelt bietet. Wir befinden uns hier auf 3800 m Höhe, und nach wie vor ist der Chimborazo nicht zu sehen.

Wie üblich gibt es Kaffee und Chips. Fließend der Übergang zum Abendessen. Suppe mit Kartoffeln und Nudeln gibt es, als Hauptgericht Fisch mit Reis und Salat. Zum Nachtisch heißes Ananas-Kompott. Die ganze Zeit halten wir uns im Küchenzelt auf. Als ich zufällig mal nach draußen blicke, ist plötzlich der Chimborazo zu sehen. Kurzzeitig und zwischen den Wolken. Alles stürmt nach draußen, um Fotos zu machen.

Als wir um 20.30 Uhr ins Bett gehen, ist es sternenklar. Beide Berge, Chimborazo wie Carihuairazo sind deutlich zu sehen. Für ein Foto ist es natürlich zu dunkel, es sei denn, man versucht eine Langzeitbelichtung.


Siebter Tag: Durch das Abraspungo-Tal zur Whymper-Hütte

Um 7.30 Uhr Frühstück, bald danach schon kommen die Pferde, auf die die gesamte Ausrüstung verladen wird. Inklusive unseres Gepäcks. Es ist hier nicht möglich, mit dem Auto zu fahren. Alles muß per Pferd transportiert werden. Auch schon von Urbina hierher war das so.
Abraspungo-Tal
Alles saftig grün: Durch das Abraspungo-Tal führt unser Weg.


Um 8.30 Uhr laufen wir los. Wir durchwandern das gesamte Abraspungo-Tal, das den Chimborazo vom Carihuairazo trennt. Das Tal ist landschaftlich sehr schön, weil grün. Offenbar regnet es hier öfters, an vielen Stellen ist es morastig, und man muß zusehen, daß man einen halbwegs trockenen Weg erwischt.

Zunächst geht es nur wenig bergauf, dann müssen wir einen Bach durchqueren, gleich darauf über einen Stacheldrahtzaun klettern. Auch hier ist vieles im Privatbesitz, und die Eigentümer wollen ihren Besitz wenigstens durch Zäune markiert haben. Die Pfähle sind morsch, und das wird René zum Verhängnis. Er will sich elegant rüberschwingen, dabei bricht der Pfahl. Er verliert das Gleichgewicht und stürzt rückwärts in den Bach.

Derart gewarnt, gehen wir anderen natürlich vorsichtiger vor und können den Zaun ohne Schaden überwinden. Allerdings auch die dann zu durchquerende Wiese ist völlig morastig. Dauernd versinkt man, der eine mehr, der andere weniger. Halbwegs trocken kommen wir drüben an. Jetzt geht es bergauf, aber der Morast hört nicht auf. Kurze Pause und schon Fortsetzung des Morast-Weges. Alles dauert wesentlich länger, weil man immer erst prüfen muß, ob der Weg in Ordnung ist. Es macht eben keinen Spaß, bis zu den Knien im Matsch zu versinken.
Moos
Ohne Moos nichts los: So etwas gibt es hier überall.


Obwohl wir jetzt schon ein bißchen höher sind, ist die Vegetation interessant. Paramogras und viel Moos. Lustig sind die komplett mit Moos überzogenen Steine und Erdhaufen. Zeitweise zieht Nebel auf. Irgendwann überholen uns die Pferde, die unser Gepäck transportieren.

Die höchste Höhe ist ein Paß von 4300 m, dann geht es wieder bergab. Um 14 Uhr erreichen wir den Jeep, in dem normalerweise der Koch mit der Ausrüstung mitfährt. Der Kleinbus konnte aufgrund der schlechten Streckenverhältnisse nicht bis hierher vordringen. Mit Jeep und Kleinbus geht es dann in Richtung Chimborazo. Eine karge Landschaft, wenige Pflanzen. Trotzdem leben hier viele Vikuñas, die sich von den paar Büschen ernähren. Lustige Tiere sind diese Verwandten der Lamas. Ziemlich scheu, aber mit dem Fotografieren klappt es trotzdem recht gut.
Vikuñas
Die Vikuñas finden selbst in der kargen Vegetation
am Chimborazo etwas zum Fressen


Um 15.30 Uhr erreichen wir die Carrell-Hütte auf 4800 m Höhe. Hier gibt es Kaffee mit Bananen-Chips. Gedenksteine erinnern an die Toten, die es beim Besteigen des Berges gegeben hat. "Seine Liebe zu den Bergen wurde ihm zum Verhängnis" heißt es da beispielsweise auf Französisch. Angehörige aller Nationen sind hier verewigt. Ein beklemmendes Gefühl überfällt einen beim Lesen. Und bestätigt René und mich in der Annahme, daß wir richtig entschieden haben, den Chimborazo nicht zu besteigen.

Das Abendessen findet ebenfalls auf der Carrell-Hütte statt. Es gibt Gemüsesuppe, als Hauptgang Gemüse mit Fleischeinlage, dazu Reis. Und als Nachtisch ein Stück Papaya. Um 18 Uhr die Wanderung zur Whymper-Hütte, 200 m höher gelegen, also auf 5000 m. Eine halbe Stunde dauert das. Im Gegensatz zur Cotopaxi-Hütte ist hier überhaupt nichts los. Wir sind die einzigen, die diese Nacht hier zubringen. Lediglich steht noch ein Zelt neben der Hütte. Es läßt sich aber niemand blicken. Keine Ahnung, warum die nicht in der Hütte übernachten. So schlecht ist es da ja auch nicht!
Gedenksteine am Chimborazo
Beklemmend: Gedenksteine oberhalb der Carrell-Hütte


René und ich beschließen, am nächsten Morgen eine Tour auf der Whymper-Route zu absolvieren. Das ist die Route, die der Brite Edward Whymper, der Erstbesteiger des Chimborazo (und des Matterhorns!) bei seinem erfolgreichen Gipfelversuch benutzt hat. Sie beginnt ebenfalls bei der Hütte, wird heute aber gar nicht mehr benutzt, weil sie sehr Steinschlag-gefährdet ist. Der höchste Punkt, der gefahrlos und ohne Schnee und Eis zu erreichen ist, liegt auf etwa 5300 m und ist durch ein Gipfelkreuz markiert, obwohl es natürlich kein Gipfel ist. Das soll unser Ziel sein.

So genehmigen wir uns hier ein Bier, das höchste Bier unserer Karriere. Da wir nicht vorhaben, den Gipfel zu besteigen, können wir uns das mal leisten. Für den kleinen Teil der Whymper-Route wird es schon reichen. Uwe geht gleich ins Bett, weil er die Gipfelbesteigung probieren will. Besonders lange bleiben wir aber auch nicht wach.

Um 22 Uhr ist für Uwe die Nacht auch schon zu Ende. Es heißt Fertigmachen für den Aufstieg, um 23 Uhr geht es los.


Achter Tag: Trekking auf der Whymper-Route und Rückfahrt

Ab 2 Uhr kann ich nicht mehr richtig schlafen, um 3 Uhr gehe ich nach unten und mache Wasser warm, um einen Tee zu trinken. Patricio hatte mir gezeigt, wie die Gaskocher zu bedienen sind. Die Zeit geht quälend langsam um, es gibt ja kein Licht auf der Hütte, nur Kerzen.

Gegen 4.30 Uhr wecke ich René. Den einen oder anderen Schluck Tee nehmen wir noch, um 5.15 Uhr verlassen wir die Hütte. Wir begeben uns also auf die Whymper-Route. Es ist ein Schuttabhang, den es bergauf geht. Teilweise wirklich unangenehm zu besteigen. Ständig tritt der erste irgendwelche Steine los, die dem anderen dann um die Ohren fliegen. Kein Wunder, daß diese Route nicht mehr benutzt wird. Wenn das später sogar noch schlimmer wird! Wir klettern in gebührendem Abstand, um im Fall der Fälle noch reagieren zu können.
Canaletas
Morgengrauen bei den 'Canaletas'


Wir halten uns in Richtung einer charakteristischen Felsgruppe. Auf einem Plan in der Hütte hatte ich den Namen "Canaletas" gelesen, was auf deutsch "Nadeln" bedeutet. Das paßt, das müssen also die "Canaletas" sein. Die Nacht ist ziemlich klar. Der Mond, obwohl nicht mehr voll, gibt genügend Licht. Unsere Taschenlampen benötigen wir nicht.

Je näher wir den Canaletas kommen, desto heller wird es zudem. Der Sonnenaufgang steht kurz bevor. Wir erreichen einen Felskamm in unmittelbarer Nähe der Canaletas und sind überwältigt. Eine tolle Aussicht. Wieder mal hoch über den Wolken, und diese sind orange und rot gefärbt.

Gegen Osten hin ist in kurzer Zeit alles in gleißendes Sonnenlicht getaucht, nach Westen liegen Whymper- und Carrell-Hütte noch im Schatten des Felskammes, auf dem wir uns gerade befinden. Von hier oben hat es den Anschein, als lägen sie ein paar Minuten voneinander entfernt in der Ebene, die 200 Höhenmeter zwischen ihnen sind nicht zu erkennen. In der anderen Richtung sehen wir den Gipfel. Kaum zu glauben, daß er mehr als 1000 m über uns liegen soll.
Gipfelkreuz an der Whymper-Route
Gipfelkreuz: Hier ist die Whymper-Route zu Ende.


Unser Weg ist aber noch nicht zu Ende. Es geht weiter den Kamm hinauf. An ein paar Stellen recht steil, jedoch ohne Steinschlaggefahr. Um 7 Uhr haben wir das "Gipfelkreuz" erreicht. Es liegt dort wie achtlos hingeworfen, zum "Gipfelfoto" muß man es festhalten.

Die Sonne knallt jetzt mit ihrer ganzen Kraft auf uns, wir ziehen Mütze und Handschuhe aus, die noch vor einer halben Stunde bitter nötig waren. Ein paar Minuten genießen wir noch den Ausblick. Obwohl natürlich schon anstrengend, ist uns das ganze doch relativ leicht gefallen. Schade, daß es hier nicht mehr weitergeht. 500 oder 600 Höhenmeter mehr, das wäre doch das richtige vor dem Frühstück. Offenbar sind wir mittlerweile wesentlich besser akklimatisiert als vor dem Gipfelversuch am Cotopaxi. Aber leider ist dies das Ende der Tour, und wir müssen zur Hütte zurück.

Irgendwie müssen wir an Alexander von Humboldt denken, über den in jedem Reiseführer steht, er habe vergeblich versucht, den Chimborazo zu besteigen. Kein Wunder bei der mangelhaften Ausrüstung, die er vor 200 Jahren hierher mitbrachte. Ob man damals überhaupt schon Steigeisen kannte? Die Angaben schwanken, wie hoch er gekommen ist. Zwar führte er ein Barometer mit, das als einfacher Höhenmesser dienen konnte, die Zuverlässigkeit dieses Geräts muß doch sehr bezweifelt werden. Irgendwo zwischen 5000 und 6000 m mußte er jedoch umkehren. Und zweifellos war das damals die höchste Höhe, die je ein Mensch an einem Berg dieser Erde erreicht hatte.
Whymper-Hütte
Strahlender Sonnenschein an der Whymper-Hütte.


Humboldt hatte auch den Chimborazo als höchsten Berg der Erde angesehen, und einige Jahre hielt sich dies als allgemeine Erkenntnis. Erst als mehr Europäer in den Himalaya vordrangen, stellte man fest, daß die Berge dort doch höher seien. In gewisser Weise ist der Chimborazo trotzdem heute noch der höchste Berg. Denn bedingt durch die Erdkrümmung am Äquator ist der Gipfel des Chimborazo der Punkt der Erde, der vom Erdmittelpunkt am weitesten entfernt ist. Und diese Tatsache ist unbestritten.

Auf dem Gletscher sehen wir zwei Personen absteigen. Ob dies Patricio und Uwe sind? Das Objektiv meiner Kamera gibt auch keine nähere Auskunft. Sie befinden sich ungefähr auf unserer Höhe. Wir rufen rüber, bekommen aber keine Antwort.

Also Abstieg. Mit Leichtigkeit geht es nach unten. Abstürzen kann man hier schwerlich, in der Steinschlagzone müssen wir aber wieder vorsichtig sein. Wir klettern nun leicht versetzt. Trotzdem weiß man nie, welchen Weg ein losgetretener Stein nimmt. Um 8.15 Uhr sind wir wieder zurück an der Hütte.

Gerade treffen auch die beiden ein, die wir auf dem Gletscher haben absteigen sehen. Es sind ein Engländer und sein Guide. Sie haben es wohl bis auf knapp 6000 m Höhe geschafft, aber nicht weiter. Unseren Ruf haben sie gehört, allerdings nicht geantwortet. Patricio und Uwe haben sie oben getroffen. Offenbar sind die beiden erfolgreicher gewesen. Zur Zeit läßt sich jedoch weiter niemand auf der Route blicken, auch nicht durch das Objektiv.
Chimborazo
Blick auf den Gipfel des Chimborazo


Wir trinken Kaffee und setzen uns vor die Hütte. In der Sonne ist es richtig heiß, so daß wir im T-Shirt dasitzen. Und das auf 5000 m Höhe! Es beginnt das große Warten. Gegen 9 Uhr sehen wir zwei Personen in der Gipfelregion absteigen. Mit bloßem Auge sind das lediglich zwei sich bewegende Punkte, das Objektiv gibt da schon mehr Auskunft. Erkennen ist indes unmöglich. Aber wer sonst sollte das sein, es war ja niemand sonst da?! Interessant jedenfalls, den Abstieg von hier aus zu beobachten.

Dann ziehen oben Wolken auf, wir verlieren sie aus dem Blick. Gegen 11 Uhr tauchen sie wieder auf, schon wesentlich tiefer. Es dauert aber immer noch bis 12 Uhr, bis wir sie wieder hier unten begrüßen können. Ja, sie haben es geschafft, und Uwe ist begeistert. 13 Stunden hat die ganze Tour also gedauert und war extrem anstrengend.

Wir steigen die 200 Höhenmeter zur Carrell-Hütte ab. Eine Gruppe von Franzosen kommt uns entgegengekeucht. Sie haben keinerlei Ausrüstung dabei, es handelt sich also wieder um Tagestouristen, die einfach mal auf einer Höhe von 5000 m stehen wollen. Wie man hört, werden solche Ausflüge von Riobamba aus angeboten. Na ja, das ist hier nicht besser als am Cotopaxi. Bleibt zu hoffen, daß keiner einen Schaden davonträgt. Mittagessen wird nun nicht mehr gekocht. Auf der Carrell-Hütte erhalten wir ein Lunchpaket, und dann geht es die ungezählten Serpentinen abwärts. Die Vikuñas sind diesmal nicht mehr zu sehen. Sind wahrscheinlich schon von den Franzosen vertrieben worden. Wieder mal mit gemischten Gefühlen und ein bißchen nachdenklich nehmen wir Abschied vom höchsten Berg Ecuadors. Natürlich ein tolles Abenteuer, aber doch etwas anders, als wir es uns vorgestellt haben.


Fazit

Natürlich stellt sich für uns die Frage, was denn da eigentlich schiefgelaufen ist, warum hat denn keiner von uns den Gipfel des Cotopaxi und nur einer den Chimborazo bezwungen? Zunächst muß mal festgestellt werden, daß die Akklimatisation unzureichend war. Vor der Besteigung hatten wir einige Übernachtungen in Quito auf 2800 m, eine im Limpiopungo-Tal auf 3750 m und eine auf der Cotopaxi-Hütte auf 4800 m. Das ist entschieden zu wenig. Die Tagestouren auf Pasochoa und Pichincha bedeuten wohl eine Gewöhnung an das Wandern und Klettern. Wichtig sind aber die Übernachtungen, und da hätten sicher eine, besser zwei zusätzliche Nächte auf über 4000 m dabei sein müssen.

Dann natürlich meine Schwierigkeiten mit den Steigeisen. Das ist wirklich sehr unglücklich gelaufen und war nicht vorherzusehen. Schließlich hatte beim Ausrüstungs-Verleih und auch beim Training auf dem Gletscher noch alles geklappt. Trotzdem scheint es empfehlenswert, solche wichtigen Gegenstände selbst mitzubringen. Zu Hause kann man sich diese in aller Ruhe im Ausrüstungsladen aussuchen und anpassen, die nötige Beratung inklusive. Jedenfalls sind diese dann auf die eigenen Schuhe zugeschnitten. Das Anlegen sollte man dann im Schlaf beherrschen. Und wer die Ausgaben für eigene Steigeisen scheut, sollte dann vielleicht die zu den Steigeisen passenden Stiefel direkt mit ausleihen, obwohl das Gehen in fremden Schuhen auch immer ein Risiko birgt.
Über den Wolken
Über den Wolken
muß die Freiheit wohl grenzenlos sein


Und schließlich sind wir am Cotopaxi mit Sicherheit zu spät losgegangen. Es war keinerlei Puffer mehr vorhanden. Dabei muß man eigentlich immer damit rechnen, daß irgendetwas schiefgeht. Speziell wenn man sich spätestens um 9 Uhr auf den Rückweg machen muß, sollte die Besteigungszeit großzügiger geplant werden. Im Nachhinein würde ich mich jetzt für eine Startzeit von 23 oder 23.30 Uhr entscheiden. Der dann fehlende Schlaf wäre mit Sicherheit das geringste Problem gewesen. Aber angesichts unserer mangelhaften Akklimatisation hätten wir die Etappe langsam und in Ruhe durchführen können, selbst die Schwierigkeiten mit den Steigeisen hätten uns nichts ausgemacht. Da wäre immer noch genügend Zeit gewesen, und eigentlich bin ich mir sicher, daß wir es alle geschafft hätten.

Noch ein Punkt: Jeder Wanderer oder Bergsteiger hat seinen eigenen Rhythmus. Hängt man am Seil, muß sich immer einer anpassen. Bei der nächsten derartigen Tour werde ich dafür sorgen, daß ich meinen eigenen Guide habe, und das von Anfang an. Das gibt es zwar nicht umsonst, aber die entstehenden Mehrkosten sind trotzdem gering im Vergleich zu den Ausgaben, die man ohnehin zur Durchführung der gesamten Reise hatte. Und wenn dies eine Maßnahme ist, den Gipfelerfolg sicherzustellen, werde ich daran nicht sparen.

Ja, und die Entscheidung, den Chimborazo gar nicht zu versuchen, ist sicher im Eindruck der gescheiterten Cotopaxi-Besteigung zu sehen. Wie wir bemerkt haben, waren wir zu diesem Zeitpunkt wesentlich besser akklimatisiert und hätten vermutlich eine bessere Chance als am Cotopaxi gehabt, wie man bei Uwe ja auch gesehen hat.

Trotzdem bleibe ich dabei: Die Tour war eine tolle Erfahrung. Das i-Tüpfelchen hat sicher gefehlt, aber aus Fehlern sollte man lernen, und das nächste Mal bin ich schlauer und werde einige Dinge anders machen.


Hinweise

Ecuador ist ein ideales Land für Bergsteiger und Trekker. In kurzer Zeit kann man hier viele Berge von über 5000 m und sogar einen von über 6000 m besteigen. Die Infrastruktur ist gut, und es gibt viele Agenturen und Guides, die man vor Ort leicht findet. So kann man sich also aus all den vorhandenen Bergen sein Lieblings-Programm zusammenstellen. Die Agentur wird da sicher mitspielen und einen Preisvorschlag machen. Natürlich gibt es auch Reiseveranstalter, die ein Komplett-Angebot von Deutschland aus anbieten. In diesem Fall wird es aber wohl etwas mehr an Geld kosten, das sollte man bedenken.

Bei keinem der Berge muß man zuvor tage- oder wochenlang durch die Wildnis laufen, um überhaupt in die Nähe des zu besteigenden Berges zu gelangen. Wobei natürlich auch gesagt sein muß, daß es für einige eher abschreckend ist, daß bei fast jedem Berg der Ausgangspunkt der Gipfeletappe per Auto zu erreichen ist. Ohne dies wäre es dort natürlich ruhiger. Aber das ist ja auch Geschmacksache.


Sonst

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